Jan Göritz // Heilpraktiker für Psychotherapie

Auf die Intention kommt es an.

Häufig höre ich in meiner Praxis Sätze wie: „das kann ich nicht, dann würde der andere sich ja verletzt fühlen.“ – sehr ehrenwert, auf die Gefühle seiner Mitmenschen Rücksicht zu nehmen. Nur: in diesen Fällen geht es nicht darum, jemand anderen zu verletzen, sondern darum, sich selbst treu zu sein, sich gegen Ansprüche anderer abzugrenzen um die eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen. Es scheint, als wäre das umso schwieriger, je dichter der andere Mensch an uns dran ist. Häufig sind es partnerschaftliche Themen, manchmal geht es um die eigenen Eltern.

Warum haben wir solche Skrupel, unsere Bedürfnisse zu äußern, zu sagen, was uns stinkt und vielleicht sogar mal mit der sprichwörtlichen Faust auf den Tisch zu hauen? Wieso schlucken wir brav unseren Ärger (bis er dann doch mal – und meist bei einem vergleichsweise nichtigen Anlass – aus uns herausplatzt) und sagen Ja und Amen zu dem, was an Wünschen und Ansprüchen an uns herangetragen wird? Ist es wirklich nur der Wunsch, den anderen nicht zu verletzen?

Nach meiner Beobachtung ist das zumeist ein vorgeschobener Grund, man kann sagen, es handelt sich um „maskierte Feigheit“. Wir nehmen uns zurück, um den anderen nicht zu verletzen – ausgesprochen edel. In Wirklichkeit sitzen mir gegenüber Menschen, die sich gerne trauen würden, mal „Nein“ zu sagen, den anderen in seine Schranken zu weisen und sich mit gutem Gewissen – das ist dabei ganz wichtig – abgrenzen zu können.

Es gibt vielfältige Gründe, warum Menschen sich so entwickeln, keine Frage. Fast alle verkennen aber, dass sie eben nicht aus der Intention heraus handeln würden, den anderen zu verletzen. Wo gehobelt wird fallen Späne heißt es – oder auch: wo sich abgegrenzt wird, fühlt sich auch mal jemand verletzt. Das ist normal und, wenn man es ganz positiv betrachten mag, möglicherweise sogar wichtig für die Entwicklung des anderen. Wer weiß?

Wenn Sie sich hier wiedererkennen sollten, machen Sie sich doch genau das bewusst: Sie handeln nicht mit dem Vorsatz, jemanden zu verletzen, Sie handeln, weil Sie sich für sich und Ihre Bedürfnisse stark machen. Und das ist Ihr gutes Recht!

Oriah Mountain Dreamer - Jan Göritz - Heilpraktiker für Psychotherapie, Psychologischer Berater, Psychotherapeut (HpG) in Hamburg

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