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Kognitive Dissonanz

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Kognitive Dissonanz

Definition:

Die Theorie der kognitiven Dissonanz ist eine sozialpsychologische Theorie, die von Festinger, Leon in den 1950er Jahren entwickelt wurde. Sie postuliert, dass Menschen ein inneres Bedürfnis haben, ihre Überzeugungen, Einstellungen und Verhaltensweisen in Einklang zu bringen. Wenn es eine Inkonsistenz oder einen Konflikt zwischen diesen gibt (bekannt als „Dissonanz“), führt dies zu einem Gefühl von Unbehagen oder Stress, das die Person motiviert, die Dissonanz zu reduzieren.

Theorieentwicklung und Anwendung:

Festinger entwickelte die Theorie der kognitiven Dissonanz auf der Grundlage von Beobachtungen und Experimenten, die zeigten, dass Menschen dazu neigen, ihre Einstellungen und Überzeugungen zu ändern, um sie mit ihrem Verhalten in Einklang zu bringen, insbesondere wenn dieses Verhalten negative Konsequenzen hat oder im Widerspruch zu bestehenden Überzeugungen steht.

Ein bekanntes Beispiel für die Anwendung der Theorie der kognitiven Dissonanz ist das „Festinger und Carlsmith“-Experiment von 1959. In dieser Studie fanden die Forscher heraus, dass Teilnehmer, die dazu gebracht wurden, eine langweilige Aufgabe durchzuführen und dann gebeten wurden, anderen zu sagen, dass sie die Aufgabe genossen hatten, tatsächlich anfingen, die Aufgabe positiver zu bewerten, um ihre widersprüchlichen Überzeugungen und Verhaltensweisen in Einklang zu bringen.

Einfluss auf andere Forschungsbereiche:

Die Theorie der kognitiven Dissonanz hat einen tiefgreifenden Einfluss auf viele Bereiche der Psychologie und verwandter Disziplinen, einschließlich Sozialpsychologie, Gesundheitspsychologie, Marketing und politische Wissenschaft. Die Theorie wird oft verwendet, um Phänomene wie die Änderung von Einstellungen, die Rechtfertigung von Entscheidungen, die Bewältigung von Bedrohungen und den Widerstand gegen überzeugende Botschaften zu erklären.

Kritik und Weiterentwicklung:

Obwohl die Theorie der kognitiven Dissonanz einflussreich ist, hat sie auch Kritik erhalten. Einige Kritiker argumentieren, dass die Theorie zu vage oder zu schwer zu testen ist, während andere darauf hinweisen, dass es andere Faktoren gibt, die das Verhalten beeinflussen können. Trotz dieser Kritik bleibt die Theorie der kognitiven Dissonanz ein zentrales Konzept in der Sozialpsychologie und wird weiterhin in der aktuellen Forschung und Theorieentwicklung verwendet.

Fazit:

Die Theorie der kognitiven Dissonanz ist ein grundlegendes Konzept in der Sozialpsychologie, das ein tiefgreifendes Verständnis des menschlichen Verhaltens und der Einstellungsänderung bietet. Sie hat unser Verständnis davon geprägt, wie und warum Menschen ihre Überzeugungen und Verhaltensweisen ändern, und bleibt ein aktives Forschungsgebiet.