Jesper Juul – Gehorsam macht krank

Gehorsam macht krank - Jesper Juul im Gespräch - Jan Göritz - Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater in Hamburg
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Gehorsam macht Krank – Jesper Juul im Gespräch

Dieses Gespräch über

  • Erziehung
  • Gehorsam
  • Pubertät
  • Vertrauen
  • Selbstdisziplin
  • Freiheit
  • Schule

zwischen Jesper Juul und Teresa Arrieta wurde im Dezember 2013 geführt.

Erziehung

Kinder nicht zu erziehen sei nicht möglich, weil alles die Kinder erziehe. Alles, was wir sagen und tun hätte Einfluss auf unsere Kinder und trage, auch unbewusst, zur Erziehung und zur Formung der Kinder bei.

Juul stellt die Frage, warum so viele Eltern vom Thema Erziehung so gestresst sind und beantwortet diese folgendermaßen:

Das jedoch sei kontraproduktiv, denn Kinder wollten ihren Eltern gefallen, mit ihnen kooperieren und es ihnen gleichtun. Aber sie hätten eben ihr eigenes Tempo. Das sei vielen Eltern nicht schnell genug und so lautet die Botschaft in der Kindererziehung häufig: “Wenn ich dir nicht sagen würde, dass du dieses oder jenes tun sollst, dann würdest du es auch nicht machen.” Hier, so Juul, zeige sich ein Mangel an Vertrauen des Elternteils gegenüber dem Kind.

Ziele der Eltern

Etwas überspitzt sagt Juul, dass Eltern am liebsten Kinder möchten, die immer nett sind, die gehorsam sind, höflich und pflegeleicht.

Das mag alles verständlich sein, sei aber, so Juul, alles andere als gesund. So seien Alkoholismus und Drogenabhängigkeit ein Indiz dafür, dass unsere Form der Erziehung und der Pädagogik bisher nicht sonderlich erfolgreich war.

Die bisherige Form der Erziehung könne die ersten 12 oder 13 Jahre gut gehen, aber dann kommt die Pubertät. Zu diesem Zeitpunkt der Entwicklung ihres Kindes stellten Eltern dann häufig fest, dass ihre Form der Erziehung doch nicht optimal war.

Pubertät

In der Pubertät brächen sich laut Juul entweder all das bisher unterdrückte, in erster Linie Emotionen und Haltungen, mit voller Wucht Bahn oder die Menschen blieben in dem erlernten funktionalen Modus und stürzten mit Mitte oder Ende 30 in eine Krise.

Das bedeutet demnach, dass Kinder nicht “einfach so” durchdrehen, sondern dass die Pubertät das Resultat dessen sei, was man als Eltern in den ersten 12, 13 Jahren gemacht und was man nicht gemacht hat.
Juul betont an dieser Stelle, dass man nicht von “richtig” oder “falsch” sprechen könne,- 99,9 Prozent würden in Bezug auf ihre Kinder ihr Bestes dafür geben, dass es ihren Kindern gut geht.

Auch wenn Eltern in ihrer Erziehung etwas täten, was nicht konstruktiv oder fruchtbar wäre, könne man nicht von “richtig” oder “falsch” sprechen. Es sei lediglich ein Versuch, der nur teilweise funktioniert hat.
Juul geht davon aus, dass Eltern, die sich in ihrer Erziehung auf Machtkämpfe – in der sogenannten Trotzphase und auch später – einließen, es später mit “schwer bewaffneten” Jugendlichen zu tun bekämen. Der Grund hierfür sei, dass die Jugendlichen in ihrem bisherigen Leben gelernt hätten, dass es in ihrer Familie nicht erwünscht sei, eine eigene Identität auszubilden und sie für diese kämpfen müssten.

Mit der Pubertät bekämen Eltern also die Möglichkeit, eine neue Rolle einzunehmen. Die bisherige Rolle der besserwissenden Erwachsenen mit Überblick und Erfahrung sei für Kinder zwar sehr wichtig, aber eben nur die ersten 10 bis 12 Lebensjahre. Dann nicht mehr!

Die neue Rolle der Eltern solle sein, etwas mehr in den Hintergrund zu treten und eine Art Sicherheitsnetz für die Kinder darzustellen. Dazu sollten Eltern ihren Kindern ihre eigenen Meinungen, Haltungen und Wertvorstellungen anbieten.
Gleichzeitig würden die Kinder aber auch elterlichen Widerstand und Grenzen brauchen, wenn sie beispielsweise Ideen haben, mit denen sie sich selbst in Gefahr bringen würden.

Um diesen Widerstand leisten zu können, müssten Eltern allerdings bereit sein, sich einzugestehen, dass sie von nun an für ihr Kind altmodisch sind.

Juul spricht sich dafür aus, als Eltern auf Machtkämpfe und ähnliche Erziehungsmethoden zu verzichten und stattdessen auf Dialog zu setzen – mit dem Wissen, auch in der Pubertät noch eine wichtige Rolle im Leben der Kinder zu spielen.
Es sei kein Widerspruch, dass Kinder deutlich mehr Zeit mit Freunden verbringen. Das täten sie nicht, weil ihnen die Familie nicht mehr wichtig sei, sondern weil sie sich nur selber finden und definieren könnten, wenn sie mit Gleichaltrigen zusammen sind, die die selbe Musik hören und die gleich Mode gut finden.

Vertrauen

Vertrauen sei besonders in der Pubertät sehr wichtig, damit die Kinder merken, dass sich die eigenen Eltern nicht nur Sorgen aufgrund verschiedener Verrücktheiten machen, sondern ihnen auch vertrauen und zutrauen, dass sie ihr eigenes Leben selber managen können.

Allerdings würden manche Eltern eine andere Idee von Vertrauen haben: “Ich kann dir nur vertrauen, wenn du es so machst, wie ich will.”
Auch hier wäre ein Dialog wünschenswert, in dem Eltern ihre Idee, wie das eigene Kind sei, durch Interesse am eigenen Kind und interessierten Fragen an ihr Kind mit der Realität abgleichen können. Denn die wenigsten Eltern wüssten wirklich, wer und wie ihr Kind eigentlich ist.

Selbstdisziplin

Selbstdisziplin sei etwas, das Kinder und Jugendliche dringend brauchen. Mehr als Drill und Disziplin von Außen.
Selbstdisziplin ermögliche es den Jugendlichen nämlich, Träume zu verwirklichen und Ziele zu erreichen. Denn nur so ließen sich Hürden auf dem Weg zum Ziel überwinden, beziehungsweise ungeliebte aber notwendige Arbeiten verrichten, die Teil des Weges zum Ziel sind.

 

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