Sich vergleichen

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Vergleichen – positive Aspekte

Warum vergleichen wir Menschen uns mit anderen? Ein Grund dafür ist, dass wir uns durch solche Vergleiche besser einschätzen können und besser ins soziale Gefüge ein ordnen können. Wir können beispielsweise herausfinden, welche Fähigkeiten wir im Vergleich zum Rest der Gruppe besonders gut ausgeprägt haben.
Das kann uns unter anderem vor Enttäuschungen und Blamagen schützen. Wenn ich feststelle, dass ich nicht so gut singe, wie die anderen Mitglieder in meinem Chor, dann werde ich freiwillig darauf verzichten, das Solo singen zu wollen.

Außerdem können wir durch Vergleiche von anderen lernen: ich erkenne, dass Jimi besser Gitarre spielt als ich. Also kann ich schauen, was er anders macht als ich, um mir dann diese Fähigkeiten auch anzueignen. Im NLP spricht man hier von „modellieren“.

In diesen geschilderten Fällen kann man von konstruktiven Vergleichen sprechen.

Dysfunktionales Vergleichen

Wo es konstruktive Vergleiche gibt, gibt es natürlich auch destruktive bzw. dysfuknktionale Vergleiche.

Häufig wird dysfunktionales Vergleichen unbewusst von Menschen angewandt, um deren Selbstwertgefühl es sowieso nicht zum besten bestellt ist.
Es scheint, als würden sie „Beweise“ dafür suchen, dass sie nicht gut, beziehungsweise nicht gut genug, sind. Sie vergleichen sich jeweils in dem speziellen Bereich, in dem sie mit Sicherheit schlechter abschneiden als andere:
Der unsportliche aber wohlhabende Mensch vergleicht sich mit einer Sportskanone, deren Kontoauszug meistens in rot gedruckt wird.
Was wird ihm ins Auge stechen? Natürlich die eigene Unsportlichkeit.

Dieses verhalten beschränkt sich natürlich nicht nur auf eine Person. Gerade in Zeiten von Instagram und anderen Social-Media-Kanälen haben wir die Möglichkeit und mit vielen anderen Menschen zu vergleichen:

  • Einer ist schöner
  • Einer ist sportlicher
  • Einer ist intelligenter
  • Einer ist reicher
  • Einer hat mehr Schlag bei Frauen
  • Einer hat das schönere Haus
  • Einer hat den schnelleren Wagen
  • Einer ist auf der Karriereleiter weiter oben
  • Einer hat die hübschere Frau
  • Einer hat Kinder, die besser in der Schule sind, als die eigenen


Zusammengefasst könnte das Bild hässlicher, unsportlicher, dummer, armer Loser bleiben.

Einzig und allein deswegen, weil man sich nicht als „Gesamtpaket“ vergleicht, sondern sich immer nur genau die Teilbereiche vornimmt, die im jeweiligen Vergleich unterliegen.

Es handelt sich also eigentlich um eine Selbstwert–Thematik, die durch solche Vergleiche einzeln betrachteter Fähigkeiten oder Eigenschaften lediglich offensichtlicher zu Tage tritt.

Vergleiche bezüglich Schönheit

Besonders gut zum Vergleichen eignet sich das Thema „Schönheit“. Und genau hier lauert eine große Unzufriedenheit-Gefahr:
Ich stelle immer wieder fest, dass Menschen, deren Zufriedenheit mit sich selbst ohnehin nicht besonders groß ist, vieles auf vermeintliche körperliche Mängel projizieren.
Ich vermute, das liegt daran, dass sie so schön sicht- und greifbar sind.
Wer hat das tollere Sixpack? Wessen Busen ist größer? Wer ist schlanker? Wer hat den strafferen Bauch? Wessen Bizeps ist besser definiert?
Je öfter man sich auf der körperlichen Ebene vergleicht und die oben gestellten Fragen mit „der / die andere“ beantworte, desto unzufriedener ist man nach meiner Beobachtung.

Das paradoxe dabei ist: eigentlich suchen Menschen durch die Bank Bestätigung und hoffen diese auch im Fall von Social Media zu finden.
Der Knackpunkt ist nur wie so oft:

Bewusst machen

Sollten Sie feststellen, dass sie dazu neigen, sich mit anderen zu vergleichen und es Ihnen hinterher schlechter geht als vorher, dann ist das eine wichtige Erkenntnis.

Fragen Sie sich, in welcher Hinsicht und wo Sie sich vergleichen und eliminieren Sie diese Vergleichsmöglichkeiten:

  • Entfolgen Sie bestimmten Profilen auf Instagram oder Facebook
  • Erlegen Sie sich selbst eine Social-Media-Abstinenz auf.
  • Versuchen Sie, dem wahrscheinlich automatischen Impuls, Instagram oder andere Plattformen zu öffnen für 10 Minuten zu widerstehen. Das unterbricht den Automatismus und gibt Ihnen die Chance einer bewussten Entscheidung.

Eigentlich ist der einzig relevante Vergleich der mit seinem vergangenen Selbst:

  • Geht es mir besser, als vor zwei Jahren?
  • Was habe ich alles im letzten Jahr geschafft?
  • Welchen Weg habe ich in den letzten fünf Jahren zurückgelegt?
  • Bin ich gesünder als vor einem halben Jahr?
  • Passen mir die Klamotten wieder, in die ich es vor einem Jahr nicht reingeschafft habe?
  • Habe ich es im letzten Jahr geschafft, mehr Geld zurückzulegen, als im Jahr zuvor?

Ergänzen und modifizieren Sie diese Fragen, so dass sie für Sie passend sind.
Beantworten Sie sie und lassen die Antworten einen Moment lang wirken.
Wo sind Sie zufrieden mit sich? Wo sehen Sie noch Luft nach oben?
Arbeiten Sie gezielt und bewusst an diesen Themen. Die Selbstwirksamkeit, die Sie dabei spüren werden, wird Ihr Selbstwertgefühl automatisch wachsen lassen.

Vergleichen - Jan Göritz - Heilpraktiker für Psychotherapie, Psychologischer Berater, Psychotherapeut (HeilprG) in Hamburg
Foto: © Blackday / adobe

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