Assoziation und Dissoziation – Der Blick von außen

Assoziation und Dissoziation - Adler - Jan Göritz - Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater in Hamburg
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Assoziation und Dissoziation

Sie kennen das Sprichwort vom Wald, den man vor lauter Bäumen nicht sieht. Im übertragenen Sinne kommen viele Klienten in genau diesem Zustand zu mir in die Praxis. Egal, in welche Richtung sie blicken: sie sehen nur Bäume. Möglicherweise haben auch Sie diesen Zustand schon einmal erfahren und wissen, wie er sich anfühlt. In solchen Phasen ist es schwer, Entscheidungen zu treffen, Ideen zu entwickeln oder Lösungen zu finden. Ganz zu schweigen davon, getroffene Entscheidungen auch umzusetzen.

Man fühlt sich hilflos, überfordert und handlungsunfähig, so dass die vorhandene Handlungsenergie in kreisende Gedanken und ins Grübeln fließt. Damit hat man einen Teufelskreis kreiert, aus dem man nur schwer wieder rauskommt. Doch damit verschlimmert man seine Situation nur noch, denn der Wald wird mit jedem Gedanken daran noch dichter, beziehungsweise das Problem noch größer. Man befindet sich in einer sogenannten Problemtrance: Man ist im Zustand der Assoziation, also gewissermaßen Teil des Problems.

Was in solchen schwierigen Situationen helfen kann, ist ein guter Überblick über die Situation. Als Teil des Problems ist das natürlich sehr schwer, diesen Überblick zu erlangen. Um einen Wald wirklich überblicken können, benötigt man schon einen sehr großen Abstand. Der Adler hoch oben in der Luft kann die Ausmaße des Waldes sehr gut erkennen, könnte navigieren und den Ausweg aus der Problemsituation weisen. Er ist bezüglich des Waldes / des Problems in einem dissoziiertem Zustand.

Dissoziation – selbst der Adler werden

Wie schafft man es aber, einen solchen dissoziierten Zustand zu erlangen? Wie schafft man es, in Bezug auf sein Problem selbst der Adler zu werden? Besonders dann, wenn einen die Grübel-Schleifen sogar nachts wachhalten oder einen morgens sofort in Beschlag nehmen?

Im Grunde genommen ist es ganz einfach: wenn Sie irgendwo nicht mehr hinsehen möchten, dann müssen Sie wegsehen. Leider übt aber gerade Negatives auf uns Menschen eine starke Faszination aus, so dass sich unser Blick doch immer wieder ablenken lässt. Wie sehr wir Menschen auf Negatives reagieren, wird deutlich, wenn Sie sich die Schlagzeilen in den Zeitungen ansehen.

Assoziation oder Dissoziation – ein Frage der Ablenkung

Das liegt daran, dass auch Grübeln irgendwann zu einem gewohnten Handlungsmuster werden kann, dass “einfach losläuft”, wie es einer meiner Klienten neulich formulierte.
Ein Wegsehen im wörtlichen Sinne ist somit nicht möglich. Allerdings können wir uns dazu entscheiden, unsere Aufmerksamkeit und unsere Aktivität von diesen Gedanken abzulenken. Ich habe hier ein paar konstruktive Möglichkeiten der Ablenkung zusammengestellt, mit denen man gleichzeitig den Abstand zum Problem und den Kontakt zu sich selbst herstellen kann.

  • lesen Sie ein gutes Buch,
  • schreiben Sie eine Geschichte oder ein Gedicht,
  • gehen Sie spazieren, schlendern Sie,- das Tempo Ihrer Gedanken wird sich Ihrem Tempo anpassen,
  • malen Sie ein Bild,
  • hören Sie sich einen interessanten Vortrag an,
  • nehmen Sie ein Instrument zur Hand,
  • machen Sie Sport,
  • treffen Sie sich mit Freunden und tauschen sich auf einer persönlichen Ebene aus,
  • schalten Sie auf Leerlauf.

Die scheinbar einfachste Form der Ablenkung sollten Sie allerdings nach Möglichkeit vermeiden: Fernsehen, Facebook & Co. Ich höre in meinen Sitzungen nämlich immer wieder, dass es Menschen nach mehr oder weniger exzessiven Medienkonsum psychisch aber sogar auch physisch schlechter geht als vorher, dass sie sich zusätzlich zu den belastenden Gedanken und dem Gefühl der Handlungsunfähigkeit auch noch regelrecht sediert und abgestumpft fühlen,- fast wie nach einem Alkoholrausch.

Ablenkung hat jedoch nichts mit Abstumpfung zu tun. Es geht dabei lediglich darum, sich für eine gewisse Zeit anderweitig und trotzdem konstruktiv mit sich selbst auseinanderzusetzen, um die Problemtrance zu durchbrechen und kreative Lösungen zu ermöglichen.

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Foto: © A. Zeitler / Fotolia

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