Jan Göritz // Heilpraktiker für Psychotherapie

Halte Deine Innenwelt sauber

Müll vermehrt sich automatisch

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Slogan „Halte Deine Umwelt sauber“, der häufig auf öffentlichen Mülleimern zu finden war.
Aus gutem Grund, denn schnell wird aus wenig achtlos weggeworfenen Müll eine wilde Müllkippe.

Die eigene Innenwelt schützen

Aber nicht nur der sichtbare Müll im Außen vermehrt sich wie von Geisterhand, auch innerer Müll in Form negativer Gedanken, negativer Glaubenssätze oder Pessimismus übt auf seinesgleichen eine fast magnetische Anziehungskraft aus.
So kennt bestimmt jeder das Phänomen, dass ein einzelner pessimistischer oder zweifelnder Gedanke schnell zu einem regelrechten Strudel von Negativität anwachsen kann.

So können Sie bei Unachtsamkeit sehr schnell in folgende Zustände fallen:

  • Zukunftsangst
  • Existenzangst
  • Versagensangst
  • Selbstzweifel
  • mangelndes Selbstwertgefühl
  • mangelndes Selbstbewusstsein
  • Verlustangst
  • Verlust der eigenen Souveränität
  • Wenn-Dann-Falle

Sich aus diese Zuständen wieder herauszuarbeiten kann sehr anstrengen und kraftaufwändig sein. Es ist also besser und Ressourcen schonend, von vornherein in einem Zustand der erwachsenen Souveränität zu bleiben

Souveränität

Souveränität bezeichnet ursprünglich die Unabhängigkeit eines Staates vom Einfluss anderer Staaten. Bezogen auf uns Menschen umfasst Souveränität:

  • Sicherheit und Selbstsicherheit
  • Überlegenheit
  • Wahrnehmen von Gefühlen, Impulsen und inneren Zuständen ohne diesen die Handlungsvollmacht zu überlassen

Souveränität ist ein erstrebenswerter Zustand. Allerdings ist er nicht ohne Weiteres zu erreichen.
Souveräne Menschen haben in der Regel eine große innere Ruhe, Achtsamkeit und ein Gefühl von Selbstwirksamkeit. Sie fühlen sich nicht als Opfer, sondern als Gestalter Ihres Lebens und sie können Umstände, die sie nicht ändern können, ohne zu hadern akzeptieren.

Sie erkennen also sowohl ihre Macht als auch deren Grenzen an. Grenzenlose Macht allerdings haben wir alle über unsere eigenen Gedanken – auch wenn es sich manchmal anders anfühlt.

Achten Sie auf Ihre Gedanken als wären es Ihre Kinder, die neben einer Schnellstraße oder einem Fluss spielen. 

Schon eine kleine unbedachte Bewegung kann schlimme Konsequenzen haben. Im oben angeführten Bild für das Kind, im realen Leben für Sie und ihre Souveränität.

Was können Sie also tun, um Herr der Gedanken und damit auch der Lage zu bleiben? Dabei helfen Ihnen Achtsamkeit und Psychohygiene.

Achtsamkeit

Im ersten Schritt bedarf es Achtsamkeit, um überhaupt wahrnehmen zu können, was eigentlich in und mit Ihnen passiert.
Wahrscheinlich wird es anfangs häufig so sein, dass sie rückblickend merken, wo Sie achtsamer hätten sein können. Das ist normal und Sie sollten das liebevoll zur Kenntnis nehmen anstatt mit sich selbst hart ins Gericht zu gehen. Das ist nämlich schon der erste Schritt in Richtung Achtsamkeit.

Folgende drei Punkte sind elementar für ein achtsames Leben im Hier und Jetzt:

  • Entschleunigung
  • Atmung
  • Ruhe
Entschleunigung

Grundsätzlich kann man sagen, dass Wahrnehmung Raum braucht. Wenn Sie den ganzen Tag von Termin zu Termin hetzen und Ihr Mittagessen achtlos runterschlingen, während Sie Ihre Mails beantworten oder eine Präsentation vorbereiten, dann fällt es Ihnen wahrscheinlich sehr schwer, überhaupt etwas wahrzunehmen.

Entschleunigung spielt also eine wichtige Rolle. Lassen Sie Luft für sich.

Atmung

Diese Luft können Sie direkt dafür verwenden, um tief durchzuatmen. Unsere Atmung hängt direkt mit unseren Gefühlen und somit mit unserer Wahrnehmung zusammen. Nur, wenn der Atem richtig fließt, können wir uns, unsere Gefühle, Bedürfnisse und innere Zustände richtig wahrnehmen und adäquat darauf reagieren.
Viele Menschen atmen vor lauter Anspannung ganz flach in den Brustkorb. Manchmal sieht man überhaupt keine Atembewegung.

Wenn Sie diese flache Atmung von sich kennen, dann können Sie das ganz einfach üben: Stellen, setzen oder legen Sie sich entspannt hin und legen Sie eine Hand auf den Bauchnabel. Ihre Aufgabe ist es nun, gegen diese Hand zu atmen, sie also mittels Ihres Atems wegzudrücken. Wenn Sie das ohne große Konzentration und Anstrengung schaffen, können Sie richtig Atmen.

Ruhe

Um tief verborgenen Gedanken und Gefühlen die Möglichkeit zu geben, von Ihnen wahrgenommen zu werden, ist es wichtig, dass Sie regelmäßig für Ruhe in Ihrem Leben sorgen. Wo und wie Sie am besten Ruhe in Ihr Leben integrieren – falls Sie das nicht schon getan haben – werden Sie schon herausfinden.

Ich habe hier einige Anregungen, wobei Sie zur Ruhe kommen können:

  • Meditation
  • Autogenes Training
  • zu Fuß gehen
  • abwaschen
  • putzen
  • lesen (ein richtiges Buch)
  • Zeit mit Tieren verbringen
  • Zeit im Wald verbringen

Ja, Sie lesen richtig: auch putzen und abwaschen können zur Ruhe führen – wenn Sie auf Ablenkung, wie beispielsweise Musik, verzichten und Sie keinen Zeitdruck haben.

Auch andere Tätigkeiten, die wenig Nachdenken erfordern sind gut dazu geeignet, runterzufahren und die Türen zur Innenwelt zu öffnen. Achten Sie nur darauf, dass Sie keinerlei (Zeit-)Druck haben.

Psychohygiene

Psychohygiene ist genau so wichtig, wie das Händewaschen. Wir waschen unsere Hände jeden Tag mehrmals und zu bestimmten Tätigkeiten gehört das Händewaschen ganz selbstverständlich dazu.

Auch unsere Psyche und unsere Seele können sich mal klebrig anfühlen. Menschen, die wenig achtsam durch die Welt laufen, merken das meistens nicht direkt. Man erkennt das dann häufig an scheinbar grundloser Unzufriedenheit und Launenhaftigkeit.

Aber was können Sie tun, wenn Sie das bemerken? Folgende Schritte haben sich als Hygienemaßnahmen bewährt:

Morgenseiten schreiben

Eine Hygienemaßnahme am Morgen: stehen Sie so rechtzeitig auf, dass Sie sich 20 bis 30 Minuten hinsetzen können und alles aufschreiben, was Ihnen durch den Kopf geht. Alles. Wort für Wort.
Es wird natürlich nicht lesbar sein, aber darauf kommt es auch nicht an. Es ist raus aus dem Kopf und Sie können unbelastet in den Tag starten.

Stoppen Sie Ihr Gedankenkarussell

Aktivität schlägt negative Gedanken.

Ich habe grübelnde Menschen selten Fussball spielen, tanzen, aufräumen, putzen oder mit Freunden losziehen sehen.
Sobald Sie merken, dass sich Ihr Gedankenkarussell in Gang setzt – handeln Sie sofort. Wenn es erst einmal richtig in Fahrt ist, ist es ungleich schwerer, sich aufzuraffen.

Sollten Sie bettlägerig sein oder aus anderen Gründen nicht aktiv werden können, dann lenken Sie sich ab. Am besten eignen sich hier nach meiner Erfahrung Bücher mit positiv-motivierendem Inhalt oder entsprechende Vorträge, die auf allen möglichen Videoplattformen zu finden sind.
Auch ruhige Naturdokumentationen sind hier geeignet.

Gedankenkontrolle

Lassen wir unseren Gedanken freien Lauf, sind sie in der Lage die größten Schreckensszenarien in Sekundenbruchteilen vor unserem inneren Auge ablaufen zu lassen. Aufgrund der immensen Geschwindigkeit vergessen wir  manchmal, diese Szenarien zu hinterfragen und nehmen sie für bare Münze. Da findet man sich aufgrund eines (möglichen) Fehlers bei der Arbeit plötzlich verarmt und einsam in der Gosse wieder, obwohl man in der Realität einen gut bezahlten Job, ein Haus und eine liebende Familie hat.

Um in diesem Beispiel zu bleiben: gehen wir davon aus, der betreffenden Person ist tatsächlich ein Fehler unterlaufen. Sie wäre jetzt schlecht dran, würde sie sich gedanklich in ein solches Szenario stürzen. Vielmehr sollte sie sich die Frage stellen „Was könnte schlimmstenfalls passieren?“ Möglicherweise wird dieser Mensch seinen Job verlieren. Aber bevor es in die Gosse geht, gibt es noch Arbeitslosengeld, es gibt das Haus als Sicherheit und der Partner erklärt sich dazu bereit, vorübergehend mehr zu arbeiten. Damit ist die Panik abgewendet.

Kreativität

„Ich bin unmusikalisch, kann nicht malen und habe keine Fantasie, um Geschichten zu schreiben.“ Das macht überhaupt nichts! Das Zauberwort heißt TROTZDEM. Jeder Mensch ist kreativ, also auch Sie. Sie sind allerhöchstens etwas ungeübt, weil Sie dachten, Sie könnten nicht.

Kreativität ist Kontakt zu sich selbst.

Kontakt zu sich selbst bedeutet: Ich nehme mich wahr und folge meinen Impulsen. Es geht also um Selbst-Annahme und – in letzter Konsequenz – um Selbst-Liebe – ein Zustand, in dem kein Raum für destruktive Gedanken ist.Probieren Sie es einmal für eine gewisse Zeit aus, was kreative Betätigung mit Ihnen macht. Wenn Sie keine positive Veränderung feststellen, dann können Sie es ja einfach wieder sein lassen.

Hygienerituale

Was die Körperhygiene betrifft, so haben wir Rituale, die wir so fest etabliert haben, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken. Es hat sich zum automatisierten Verhalten, zur unbewussten Kompetenz entwickelt:

  • Zähne putzen nach dem Aufstehen
  • nach der Toilette Hände waschen
  • nach dem Sport duschen

um nur einige zu nennen.

Auch für den Bereich  der Psychohygiene können Sie Rituale einführen. Da Sie sich hierbei vermutlich im Stadium der bewussten Kompetenz befinden, müssen Sie sich solange immer wieder daran erinnern, bis auch dieses Verhalten automatisiert ist.

Mögliche Rituale sind:

  • morgens Morgenseiten schreiben
  • Abendspaziergang vor dem Schlafengehen
  • nach der Arbeit ins Auto setzen und eine Kurzmeditation machen
  • Dankbarkeitstagebuch
  • nach Kontakt mit Menschen, die zum Jammern neigen und sich dadurch an sie „kleben“, sich sowohl diese negative Beeinflussung als auch Ihre Gefühle dazu – wahrscheinlich Wut – bewusst zu machen. Fassen Sie Ihre Gefühle in Worte und stellen Sie sich vor, mit der entsprechenden Person zu reden. Wenn es hilfreich ist und die Situation es erlaubt, dann sprechen Sie sie laut aus. Sagen Sie der anderen Person die Meinung und machen sich so wieder frei von der negativen Beeinflussung.

Das sind natürlich alles nur Möglichkeiten. Probieren Sie aus, entwickeln Sie eigene Methoden. Es gibt hierbei keine richtigen oder falschen Ideen, es gibt nur individuell wirksame oder unwirksame Methoden die eigenen Innenwelt sauber zu halten.

Mülleimer für Sorgen - Jan Göritz - Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater in Hamburg

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