Jan Göritz // Heilpraktiker für Psychotherapie

Schnelle Lösungen

Wenn in unserem Leben Probleme, meistens subjektiv unangenehme Gefühle, die mit bestimmten Situationen verknüpft sind, auftauchen haben wir Menschen das Bestreben, diese zu lösen, also dafür zu sorgen, dass das unangenehme Gefühl uns nicht weiter zu schaffen macht.
Am liebsten natürlich möglichst schnell und möglichst einfach.

Ungeklärte Situationen und Schwebezustände sind für uns meistens nur sehr schwer auszuhalten. Manchmal gelingt es und es macht sich ein tiefes „das wird schon“-Gefühl in uns breit. Doch diese Momente sind selten. Meistens, so höre ich es auch häufig von meinen Klienten, ist ein starker Antrieb vorhanden, etwas zu verändern. Allerdings ist ein starker Antrieb ohne gute Idee und ohne einen gewissen Überblick über die Situation nichts wert. Da wir uns in solchen Momenten in erster Linie vor diesem unangenehmen Gefühl schützen möchten und es nicht darum geht, die für uns langfristig beste Lösung zu finden, gehen wir manchmal Schritte, die wir – manchmal sogar bitterlich – bereuen, wenn wir wieder klar bei Verstand sind. Häufiges Thema dieser Art ist in meiner Praxis das Thema „Beziehungen“. Da kann es über Missverständnisse schnell dazu kommen, dass ein Partner sich verletzt fühlt. Um dieses Gefühl von Verletzung und Unterlegenheit nicht fühlen zu müssen, holt der betroffene Partner zum Gegenschlag aus. „Wenn ich Dich verletze, dann kann ich mich wieder groß und gut fühlen“. Was in dieser gefühlsgesteuerten Situation vielleicht noch verständlich erscheint, wirkt mit etwas Abstand häufig kindisch, albern und dumm. Genau so fühlen sich die Menschen dann auch häufig und wünschten, sie hätten anders reagiert. Wenn sie es hier geschafft hätten, das für sie störende Gefühl auszuhalten, vielleicht darüber, dass sie die Situation verlassen, dann hätte der Verstand die Möglichkeit bekommen, sich wieder mit einzubringen und eine Lösung zu finden, die auch längerfristig und nachhaltig ist.

Wenn man sich vom Partner trennt, dann ist man das unangenehme Gefühl zwar schnell los, stellt aber wahrscheinlich recht schnell fest, dass man diesen Menschen doch sehr vermisst.
Wenn man es schafft, diese Situation, dieses Gefühl etwas auszuhalten ohne direkt darauf zu reagieren, gibt man sich selbst die Chance, eine Lösung zu finden, mit der man sich auch nach einem Monat noch gut fühlt.
Beispielsweise könnten man nach einem Moment seinem Partner ruhig erklären, was genau einen verletzt hat und warum. In diesem Fall würde man dem Partner die Möglichkeit geben, sich zuerklären und eventuelle Missverständnisse ausräumen zu können.

Diese Art des Umgangs mit unangenehmen Gefühlen tritt natürlich nicht nur in Partnerschaften auf, aber das sind Situationen, die häufig auftreten und vielen Menschen bekannt sind.

Andere Beispiele für schnelle Lösungen sind:

  • die Flucht in Alkohol oder Drogen wenn man mit dem eigenen Leben unglücklich ist (anstatt sich mit sich und seinem Leben auseinanderzusetzen und zu schauen welche (anfangs kleinen) Schritte man unternehmen kann, um etwas in seinem Leben zu ändern).
  • ein Job, dessen Anforderungen so hoch sind, dass man den Job nur noch mit Aufputschmitteln bewerkstelligen kann (anstatt mit dem Chef zu sprechen und ihm zu verdeutlichen, dass die Arbeit alleine nicht zu bewerkstelligen ist, sich einen neuen Job zu suchen oder – in letzter Konsequenz – auch ohne neuen Job zu kündigen, bevor man seine Gesundheit ruiniert).
  • Psychosomatische Krankheiten dauerhaft mit Medikamenten „ruhigstellen“ (anstatt parallel zum Einsatz von Medikamenten die Themen hinter der Krankheit herauszufinden und diese zu bearbeiten).
  • auf die Versprechen schneller und hoher Gewinne dubioser Anlageberater hereinzufallen (anstatt sich damit auseinanderzusetzen, wie man selber mehr Geld verdienen kann oder sich mit der Frage zu beschäftigen, ob man unbedingt mehr Geld braucht oder ob man auch so glücklich sein könnte).
  • Ausreden (er)finden (anstatt zu dem zu stehen, was man getan oder nicht getan hat und daraus zu lernen um sein zukünftiges Verhalten zu verändern).

Ich denke, dass „schnelle Lösungen“ in erster Linie der Versuch sind, um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit sich selbst, seinen Wünschen, seinen Bedürfnissen, seinem Leben und ganz besonders seinen Ängsten herumzukommen.

Vielleicht entdecken Sie ja auch in Ihrem Leben Situationen, in denen es Ihnen schwer fiel, auszuhalten. Mit etwas Abstand betrachtet können Sie vielleicht beantworten, um welche Wünsche, Bedürfnisse oder Ängste es in der Situation ging und sich so ein Stück weit besser kennenlernen.

Schnelle Lösungen - Jan Göritz - Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater in Hamburg

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