Jan Göritz // Heilpraktiker für Psychotherapie

Pflichten: Von Mücken und Schmeissfliegen

Sie kennen vielleicht die Geschichte von den Golfbällen, dem Kies, dem Sand und dem Bier. 
Dort geht es um die Prioritäten im Leben und wieviel Raum man ihnen einräumt.

Auch in diesem Artikel geht es um Prioritäten, allerdings unter einem anderen Aspekt:

Veränderte Lebensumstände

Es kommt immer wieder vor, dass wir mit veränderten Lebensumständen konfrontiert sind.
Dabei kann es sich um etwas Schönes und ein Stück weit Planbares wie eine Schwangerschaft handeln, oder um etwas, das wie aus heiterem Himmel in unser Leben platzt, wie eine Krankheit oder aber auch eine neue Liebe.

Ganz gleich, ob es sich um etwas Negatives oder etwas Positives handelt – es beansprucht Platz in Ihrem Leben. Platz, der vorher von anderen Dingen in Beschlag genommen wurde.

„In meinem Leben ist aber gerade kein Platz…“

Es heißt „Platz ist in der kleinsten Hütte“. Trotzdem versuchen manche Menschen, Ihr Leben so weiterzuführen, als hätte sich nichts verändert und als müssten sie entsprechend auch nichts verändern. Dafür können verschiedene Gründe verantwortlich sein:

  • Angst vor Neuem / vor der Veränderung
  • Lethargie
  • das Leben ist so vollgestopft, dass man nur noch funktioniert und die eigene Gestaltungsmacht nicht mehr erkennt.
  • Angst vor Verletzung (deswegen lässt sich der Mensch nicht hundertprozentig auf eine Partnerschaft ein)
  • Angst vor dem Tod (bei schweren Krankheiten)
  • Angst davor, seine Pflichten zu vernachlässigen

Sie sehen, es gibt einige Gründe dafür, die neuen Lebensumstände ganz oder teilweise zu ignorieren. Ich werde mich in diesem Artikel auf den letztgenannten Punkt konzentrieren:

Angst, seine Pflichten zu vernachlässigen

Sein Leben meistern zu können, gibt uns Menschen eine gewisse Sicherheit. Zum „Meistern“ gehört es auch, seinen Pflichten nachzukommen. Häufig wird hier die Arbeit als besonders große Pflicht angesehen, da sie als Einnahmequelle die Grundlage für alles weitere darstellt.
Gleichzeitig schöpfen wir aus unserer Tätigkeit auch häufig einiges an Selbstbewusstsein. In Extremfällen identifizieren sich Menschen sogar mit ihrer Arbeit. („Ich bin mein Job.“)

Bei der Angst, seine Pflichten zu vernachlässigen geht es also über die Angst, der Arbeit als Einnahmequelle nicht mehr angemessen nachkommen zu können, um die Angst, dass das eigene Leben über einem zusammenbricht.

Das ist eine Angst mit einem unwahrscheinlich großen Gewicht,- so schwer, dass sie manchmal sogar handlungsunfähig machen kann.

Was sind eigentlich Pflichten?

Laut Wörterbuch ist die Pflicht „das Handeln, dem man sich auf Grund bestimmter Normen / Vorschriften nicht entziehen kann.“
Das bedeutet, Pflichten sind auf jeden Fall zu erfüllen.
Das bedeutet aber auch, dass wir mit dem Begriff „Pflicht“ sehr vorsichtig hantieren sollten, damit unser Leben nicht auf einmal nur noch aus Pflichten besteht, sondern uns auch noch Luft zum Atmen lässt.

Sie dürfen sich entspannen

Gerade dann, wenn Sie das Gefühl haben, das Pflichtenkarussell dreht sich so schnell, dass Ihnen schwindelig wird, sollten Sie Ihre Beine zum Bremsen benutzen und sich nicht noch mehr Anschwung geben. Die Pflichten – beziehungsweise das, was Sie als Pflichten definieren – werden durch noch mehr Anschwung in der Regel nicht weniger,- dafür befördern Sie sie so zu Ihrem eigenen Sklaventreiber.

Es ist erwiesen, dass sich ein großer Teil unserer täglichen Mails mit der Zeit von selbst erledigt. Trotzdem liegen neue Mails angeblich nur gerade einmal 6 Sekunden ungeöffnet im Postfach, wie ich neulich las.

Es ist keine Pflicht, auf Mails sofort reagieren zu müssen

Hier zeigt sich recht eindrucksvoll, wie wir funktionieren: Es gibt einen Reiz (neue Mail) und es braucht (in diesem Fall) nur 6 Sekunden, bis wir darauf reagieren.

Innehalten und durchatmen

Bevor wir auf Reize reagieren, sollten wir kurz innehalten und uns folgende Fragen stellen:

  • Betrifft es mich?
  • Ist es dringend?
  • Passiert etwas Schlimmes, wenn ich nicht sofort reagiere?

Unsere Kreativität geht gegen Null, je höher unser Stress-Level ist. Das betrifft auch unsere Fähigkeiten, Lösungen und Wege zu finden und damit unsere Kompetenz, unser eigenes Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Unter anderem deswegen ist es wichtig, immer wieder zu entspannen und in den Leerlauf zu schalten anstatt sich wegen irgendwelcher Dinge, die Sie möglicherweise noch nicht einmal wirklich betreffen, verrückt zu machen. Das ist Freiheit!

Um die Pflichten brauchen Sie sich dabei gar keine Gedanken zu machen: die sind wie Schmeissfliegen oder Mücken – sie kommen immer wieder, ganz von alleine.

Pflichten - Jan Göritz - Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater in Hamburg

Foto: © mycteria / Fotolia

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